Hab mal 60 Seiten drin gelesen und das Gefühl, es reicht auch. Da teilt sich das Publikum schön in Jubel (Provokation!) und Ablehnung (Ekel zum Selbstzweck!). Und ja, Ekel zum Selbstzweck erhebt den Anschein purer Provokation. Find ich auch, vor allem weils sonst nix bietet. Und möglichst oft “Muschi”, “Arschloch” und “ficken” in einem Absatz unterzubringen wirkt obendrein aufgesetzt. So ganz meins ist das alles nicht. Nicht weil es eklig oder anstößig wäre oder irgendwas, sondern weil es einfach brunzlangweilig ist. Ok, CSU-Wähler mag die Sprache vielleicht provozieren. Wirkliches Hauptproblem aber: Die Geschichte ist mir einfach zu dumm (”Hallo, ich bin Helen!” - “Hallo, darf ich dich rasieren?” - “Ja klar”). Und viel langweiliger könnte die Form auch nicht sein: Jedes Kapitel beginnt und endet mit Krankenhausgeschehen, dazwischen ur-konventionell übergeleitete Assoziationsketten über Rasieren, Sex und Körperflüssigkeiten. Das Erzähltempo plätschert spannungsbogenfrei dahin, Selbstzweck-”Ekel” solls wohl sein, funktioniert aber leider nicht so wirklich. Roche bemüht sich um die Perspektive einer 18jährigen, gibt ihr aber den Verstand und das Ausdrucksvermögen einer 12jährigen. Das hat Nick Hornby in “A Long Way Down” wesentlich besser hingekriegt, der ist zwar keine Frau, kann dafür aber schreiben. Alles in allem find ichs aber ganz witzig, dass ein ach so provokatives Buch in der Form so anbiedernd und konventionell sein kann.
Untersuchungsgegenstand Nummer 1 in der großen R&H-Recherche, hab ich mittlerweile drei oder vier oder viereinhalb Mal gesehen. Furchtbarer Film, von vorn bis hinten, viel zu lang, drei Stunden, grauenvoll. Dafür kann ich mittlerweile “Do-Re-Mi” mitsingen. Insgesamt ist The Sound of Music nicht ganz so unerträglich wie South Pacific, kommt aber nah ran. Wenn diese Forschungsarbeit geschrieben ist, will ich den nie wieder sehen.
Muss ja wirklich sagen, vom Thema her hat mich das Buch nie so interessiert, der Autor dagegen schon; bin ja nicht gerade immun gegen Medienhypes. Und da das Buch gerade mal wieder groß in allen Buchläden aufliegt, hab ich dann mal zugegriffen, und aufgrund einer Vorlesung sind eh gerade Österreich-Wochen bei mir. Fands sehr gelungen. Die Zweiteilung gefällt, inklusive der Verwebungen zwischendurch. Führt recht effektlos, aber konsequent zum Schluss; die beiden Werke und Weltsichten von Gauß und Humboldt fand da sehr rund präsentiert.
Insgesamt sehr gelungen, sehr unterhaltsam, sehr kurzweilig. Gefällt überaus.
Ein Paradebeispiel der alten ER-Tugenden: fünf, sechs wundervolle Storylines, die innerhalb einer 42-Minuten-Folge verarbeitet und voran gebracht werden. So funktioniert Serien-Dramaturgie! In späteren Staffel schien das oft vergessen, da wurden Storylines einfach mal fünf Folgen lang liegen gelassen und irgendwann wieder aufgegriffen oder auch nicht aus irgendwelchen Gründen. Aber 1997 (meine Güte, elf Jahre her) lief das noch besser, obendrein waren die Geschichten vor allem interessanter: Jeanie & Al, die HIV/Job/Atlanta-Geschichte; Mark & Cynthia, die zum Scheitern verurteilte Beziehung; Doug & Carol, das Wiedersehen nach dem Road-Trip, die große Liebe; Benton & Corday, der Chirurgen-Ehrgeiz; Kerry & der Synergix-Typ, Managementfrust und Frustsex; Anna & Carter, die einmalig-witzige Verhaftung, die aufkeimende Liebesgeschichte; dazu Patienten-Operations-Drama wie gewohnt. Die Serie wurde gehegt und gepflegt, befand sich auf konstant großartigem Niveau, mit echt guten Sujets.
Und die Geschichte zwischen Anna (Maria Bello) und Carter (Noah Wyle) ist für mich immer noch die schönste der kleinen Liebesstories der Serie - natürlich neben der großen, klassischen zwischen Doug und Carol - eine Schande das sie die nicht weiter verfolgen konnten; naja, dafür wurd’s ja was mit Maria Bellos Filmkarriere.
Wieder eine der ungewöhnlichen Episoden, die mit dem Krankenhausalltag wenig zu tun haben. Doug Ross (George Clooney) und Mark Greene (Anthony Edwards) auf einem (Road) Trip nach Californien, wo Dougs Vater kürzlich gestorben ist. Später besuchen sie spontan Marks Familie, die nur vier Stunden weiter lebt. Wundervolle Episode, die alle Charakterentwicklungen der letzten zwanzig (oder so) Folgen auflöst. Marks Unfall, Dougs Frauengeschichte(n), alles spiegelt sich im Leben ihrer Väter, denen sie auf der Spur sind. Ein Road Trip mit kathartischem Effekt, klassisch, rund, tolle Staffel auch beim zehnten Ansehen.
Echtzeit-Episode, live ausgestrahlt. Wahnsinn. Aufgrund der Zeitverschiebung zwischen Ost- und Westküste haben die das sogar zwei Mal hintereinander gespielt. Sehr außergewöhnlich, nicht nur für ER, praktisch für die gesamte (US-) Fernsehgeschichte. Aufgrund der Perspektive und der Beschränkung sehr interessante Dramaturgie, ungewöhnlicher Blickwinkel, gleichzeitig wird der Season-Plot aufgesetzt und voran getrieben. Nur ein weiterer Hinweis darauf, welche Standards die Serie gesetzt hat und welche Ausnahmestellung ER inne hat, zumindest in den frühen Staffeln.
…
A man closes up a lecture hall; he reaches into a box and snips the string holding a gaunt puppet. Released, the puppet warily explores the darkened rooms about him. The desolate ambiance and haunting musical score convey a sense of isolation and futility, forcing the viewer into immediate identification with the mute protagonist as he explores a realm of mechanical realities and manufactured pleasures. As the protagonist tries to conform, or is forced into assimilation, the film slowly reveals how unfulfilling the surroundings actually are. Life and vitality are gradually stripped away to reveal the passionless cycle of existence. (wikipedia)
Woah, nice! Zwanzigminütiger Stop-Motion-Animationsfilm der mir bis heute völlig unbekannten Brothers Quay. Aber woher Tool und NIN größtenteils ästhetische Anleihen nahmen, hat mich schon immer interessiert. Jetzt weiß’ ichs. Atmosphärisch dicht, handwerklich top und tolles Set-Design. Dazu ein großartiger Score. Ein wundervoller Alptraum.
Ich mag nicht nur die Filme, die Bücher mag ich auch sehr gern. Mir gefällt der Stil und die Art, mit der Informationsvergabe zu spielen. Hier finden sich zwar ein zwei ein bißchen zu plumpe Teaser, manches auch ein wenig zu wirr, aber ging in Ordnung, weil am Ende alles so schön funktioniert - mit den unterschiedlichen Informationsständen der Beteiligten, wie immer bei den Brenner-Romanen sehr gelungen, auch charakteristisch für die Hauptfigur. Insgesamt ist mir “Der Knochenmann” mit gut 150 Seiten etwas kurz, aber sonst wenig zu beanstanden. Herrlich witzige und durchaus ungewöhnliche Krimi-Kost. Mag ich, bin gespannt was aus dem Film wird.
Woah, was ein Rotz. Joshua Logan bringt in South Pacific ein ganzes Jahrzehnt der US-Filmmusicals um die Ecke. Klar, die Rodgers & Hammerstein Verfilmungen sind kitschig und platt und getanzt wird auch und überhaupt diese ganze Technicolor-Fototapeten-Ästethik. Schon klar. Aber South Pacific schießt nun wirklich den Vogel ab, mehr over-the-top geht nicht. Obendrein spielt das ganze im zweiten Weltkrieg, die wohl unpassendste Kulisse eines Happy-go-Lucky-Musicals überhaupt. Singende Navy-Soldaten oberkörperfrei oder im engen Bauchfreien, also unfreiwillig komische Seefahrer-Homoerotik galore. Dies auf der einen Seite. Auf der anderen die Aussteiger-Romantik mit einsamer Insel und orangerotem Sonnenuntergang und in die Inselgirls verlieben und Wasserrutsche-rutschen. Am Ende wird dann noch gekämpft und dramatisch gestorben und überhaupt versuchte man sich in South Pacific letztlkich am Rassendrama, mit zwei Protagonisten, die nicht darüber hinwegkommen, dass Asiaten auch Menschen sind. Lehren werden gezogen, natürlich.
Der größte Rotz, schlechte Songs obendrauf.
Eine der vielen “Anna und der König”-Varianten. Hier die von Rodgers & Hammerstein, also mit Gesang und Tanz und Yul Brynner. Und mal ehrlich, der Film ist gar nicht schlecht, definitiv meine liebste R&H-Verfilmung. Ganze Bausteine der Story finden sich zwar später in Sound of Music wieder, doch wurden sie hier, dreizehn Jahre früher, wesentlich besser eingesetzt. The King and I ist wesentlich lustiger (Yul Brynner!), trauriger (Yul Brynner!) und insgesamt einfach unterhaltsamer. Dazu eine gute Stunde kürzer und Yul Brynner.
Aber auch unabhängig von der unsagbaren Präsenz des Hauptdarstellers (Deborah Kerr gibt immerhin einen guten Gegenpart) funktioniert Walter Langs The King and I dramaturgisch einfach hervorragend. Die Annäherung, die Unterschiedlichkeiten der Kulturen. Ja, passt. Auch weil dann alles in dem unglaublich starken “Shall We Dance?” auf den Punkt gebracht wird. Die erste R&H-Verfilmung, die mir taugt.
Die zweite Verfilmung des Broadway-Stücks, 1933 gabs schon eine von Henry King (Carousel) und 1962 folgte eine weitere fürs Fernsehen. Korrektur: Wurde erst später zum Bühnenmusical, die 1945er Fassung haben Rodgers und Hammerstein eigens für den Film geschrieben (als einziges ihrer Musicals), basierend auf irgendeinem Buch, welches auch für Henry Kings 33er Spielfilm (kein Musical) als Vorlage diente. Die 1962er Fassung ist ein Remake des 45er Musicals mit zusätzlichen Songs, die Rodgers nach dem Tod von Hammerstein mit eigenen Texten schrieb. Irgendwann später wurde dann ein Bühnenmusical draus, obwohl Rodgers dies immer verweigert hatte.
Und ich muss sagen, durchaus angenehm die 45er Version. Kompakter 90-minüter über eine Farmerfamilie (mal wieder), die zur großen Kirmes fährt, um ihre Waren anzupreisen und die Kinder an zukünftige Ehepartner zu verlieren. Die kommen dann aus der Stadt (als typischer R&H-Kontrast zum unschuldigen Landleben) und bringen die Herzen der Farmersjugend gehörig durcheinander. Klassisch, mal wieder.
Aber schön kurz, deshalb OK. Übrigens glaub ich langsam, dass Sound of Music der einzige R&H-Film ist, der komplett frei von sexuellen und anderen “dunklen” Untertönen ist.
Hat mich ziemlich umgehauen. Funktioniert auf zwanzig Ebenen, verwebt wundervoll die unterschiedlichsten Aspekte von Bob Dylans Leben in die sechs Filmcharaktere, die von allen Beteiligten auf höchstem Niveau dargestellt werden (allen voran wohl Cate Blanchett; dieser Blick in die Kamera, ich bin gestorben). Vorwissen ist wohl eindeutig von Vorteil, auch als Dylan-Fan hatte ich schon permanent das Gefühl, nicht genug zu wissen.
Insgesamt das wohl unkonventionellste Biopic, das ich gesehen habe. So unglaublich komplex, voller Anspielungen und Zitate, augenzwinkernd und todernst, bis zum Hals in Dylan- Mythologie und im Spiegel die Politik und die Zeitgeschichte. I’m Not There wirft obendrein Fragen auf nach Identität, Künstler-Verantwortung und Ikonisierung, sucht nach der Wahrheit zwischen den Zeilen und gibt als Antwort ein stetes Vielleicht. Von vorne bis hinten großartig.
Deutscher Buchpreis 2005, Österreicher. Kann verstehen, wieso Geiger so viel Lob und Preise für “Es geht uns gut” einfährt, wobei das alles nicht so wirklich meins ist. Wobei, auf dem Papier schon: Geschichte einer Familie, auszugsweise verfolgt über drei Generationen hinweg. Dazu spielt das alles in Wien. Rund und gut geschrieben auch, obwohl oft unnötig kompliziert in der Form: Ein paar Anführungszeichen hätten der Lesbarkeit gut getan. Und bei einigen Perspektivwechseln mitten im Absatz, wohl der Informationsvergabe und Komplexität wegen, war ich mir oft einfach nicht sicher, ob das jetzt gut erzählt ist, oder einfach nur stilistisch falsch.
Insgesamt: Gut erzählt, aber mir persönlich passiert da einfach zu wenig. Für mich stimmt der Grundsatz von plot- und character-driven einfach nicht. Wenn schon handlungsarme Story, dann doch bitte ein Stück weit interessantere Figuren; weniger Schablonen oder sprachlich mehr Finesse. Hab das Lesen nicht bereut, aber viel verpasst hätte ich auch nicht.
Viel zu lange nicht mehr gehört, wohl wegen des miserablen Eindrucks, den der Nachfolger “Jacket Full of Danger” hinterlassen hatte. Ins neue Album (”Sixes & Sevens”) hab ich noch nicht reingehört, aber immerhin kann ich die letzte gute Green-Platte wieder hören. Ich mag dieses Entertainer-Ding, was er auch live immer wundervoll rüberbringen konnte, so zwischen verpeiltem Dummschwätzer und großer Unterhaltung a la Morrissey.
Die “Gemstones” brigt ein paar echte Hits, die auch nach drei Jahren noch nicht alt sind: “Over the Rainbow”, “Carolina”, “Crackhouse Blues” und mein absoluter Lieblingssong von Green: “Chubby Princess”. Und natürlich, “Emily” gibts ja auch noch. Wunderbäre Durchhörplatte, textlich herrlicher Nonsens, musikalisch voller Anleihen und durchsetzt von Ironie. Oder auch nicht. Man weiß es nicht, das ist ja das Schöne an Adam Green: Keine Ahnung was dieser Typ eigentlich will.
Meine erste Pressevorführung seit Monaten, ich glaub die letzte war Juno. Aber bei durch diverse Trailer derart gesteigerten Erwartungen schlepp ich mich gerne in den dritten Bezirk. Der Film, jau passt. Favreau inszeniert solide einen soliden Blockbuster, der insgesamt vielleicht ein Stück zu lang geriet, Leerlauf ein bißchen zwischendurch. Viel (will sagen: sehr viel) Exposition, hauptsächlich zur Vorbereitung der geplanten Trilogie. Zusammenfassend eine okaye Story, mit anständig präsentierter Action und runden Effekten. Jedoch lebt Iron Man voll und ganz von Robert Downey Jr., ohne ihn wärs eine ziemlich seelenlose Material- und Effektschlacht. So aber eine gelungene Einleitung, die Lust auf mehr macht, auch wenn meine Erwartungen nicht so ganz erfüllt wurden.
Was ich aber nett fand, war der Grundsatz “Heroes aren’t born, they are built” und die Konsequenz, mit er durchgesetzt wurde; netter Kontrast zum sonst meist übernatürlichen Superhelden-Marvel-Universum.
Das war damals die erste ER-Folge, die ich gesehen habe. Dritte Staffel, alle noch dabei, die Serie auf altem Niveau. ER ist die einzige Serie, die ich nicht im Originalton gucken kann, weil: Fachbegriffe, irres Erzähl- und Sprechtempo, miese englische Tonspur der deutschen DVD. Außerdem hab ich mich über Jahre an die deutschen Synchronstimmen gewöhnt, da machen die paar Unsauberheiten bei der Übersetzung wenig. “The Long Way Around” ist jedoch die einzige Folge, die man wirklich im Original anschauen muss, weil: Ewan MacGregors Synchronstimme ist nicht auszuhalten; geht einfach gar nicht.
Die Episode ist eine der ungewöhnlichsten überhaupt, findet zu einem Großteil auch nicht im Krankenhaus statt, sondern in einem kleinen Shop, der von Duncan (Ewan MacGregor) und seinem Cousin überfallen wird und die Geiseln nehmen müssen, weil Schießerei. Und da ist Carol auch dabei, ihr Einsatz als Krankenschwester ist gefragt und die improvisiert mit Strohhalmen und Tampons und versorgt Schusswunden. Tolle Folge, sehr intensiv, sehr menschlich, top umgesetzt. Und eine der gelungsten Dialogzeilen überhaupt: Geiselsituation, wildes Durcheinander, zwei Angeschossene; die Polizei ruft im Shop an und fragt nach den Forderungen, Ewan MacGregor antwortet, ist sich der Lage bewusst, hat keinen Nerv für ernsthafte Verhandlungen und sagt: “Einen Van vielleicht oder einen Truck! Ein Panzer wäre toll!”, und legt auf. Übrigens auch die einzige Szene, in der MacGregors Synchro funktioniert.
Rodgers & Hammerstein Recherche, Teil 2: Carousel, mit Gordon MacRae und Shirley Jones, die schon die Hauptrollen in Oklahoma! spielten. Da MacRae mich total an Matt LeBlanc, oder eigentlich: Joey Tribbiani, erinnert, hab ich die ganze Zeit damit gerechnet, dass der so musicalmäßig in “All you want is a tinkle …” ausbricht. Hat er dann nicht gemacht. Schade.
Ausgangslage: Kirmesarbeiter (MacRae) ist tot und putzt im Himmel Sterne (kein Scheiß), darf aber für einen Tag zurück auf die Erde, um ein paar Sachen wieder gut zu machen: Da beginnt eine anderthalbstündige Rückblende, was der Kirmesarbeiter so alles falsch gemacht hat zu Lebzeiten. Ziemlich downbeat, deshalb wohl so wenig erfolgreich. Oder weil der Film einfach strunzlangweilig ist. In der zweiten Hälfte wirds dann besser, sagen wir: erträglich bei entsprechender Schmerzgrenze.
Im R&H-Kontext wieder ein Film, der thematisch weit weg ist von Sound of Music. Die Protagonistin wieder blond, wieder naiv und optimistisch, dennoch selbstbewusst und kämpferisch - wie fast alle weiblichen Figuren bei R&H.
Und La Vie En Rose ist eben kein konventionelles Biopic. Die Zutaten, mit denen Genregrößen wie Ray und Walk the Line (die ja beide nicht schlecht sind) funktionieren, sind dieselben: Kindheitstrauma, Drogen, Musik. Was La Vie En Rose allerdings von eben jenen abhebt ist leider auch genau das, weshalb der Film so oft kritisiert wurde: zu fragmentarisch. Regisseur Dahan setzt episodisch (Kindheit, Jugend, Erwachsenenleben, Alter), aber darin chronologisch signifikante Szene des Lebens der Piaf puzzleartig wieder zusammen - und arrangiert sie neu in der Dramaturgie seiner Geschichte über Edith Piaf. Das Ergebnis ist ein klar subjektives, aber subtiles Portrait. Während in den Ray Charles und Johnny Cash Biopics das Drogenproblem den Hauptkonflikt des Films darstellte, den es zu überwältigen gab, wirkt dieses in La Vie en Rose nur wie ein Teil des Ganzen. Sprich: komplexer. Natürlich wurde Dahan für seine Auswahl der Lebensepisoden der Piaf scharf kritisiert: er habe bewusst die negativen Seiten der Piaf herausgehoben, die positiven dabei fast vergessen. Wobei ich finde, dass Dahan nur das macht, was ein Film in erster Linie leisten sollte, vom Autorenanspruch her: Keine simple Übersicht liefern, nicht die bekannten Stationen reihenweise abhaken. Film ist immer Interpretation, insbesondere bei Biopics. Nicht mehr und nicht weniger macht Dahan.
Unterstützt wird er von einer großartigen Marion Cotillard (die bekam den Oscar völlig zu Recht). Sie vollbringt für Edith Piaf, was Robert Downey Jr. für Charlie Chaplin vollbrachte. Und zwischen dem Lauten, Krakelenden lässt sie immer die Verletzlichkeit durchblicken. Für mich eine besten Schauspielleistungen, die ich je gesehen habe. Dazu die effektvoll in Szene gesetzt Musik, die wundervollen Chansons, dieses große Finale: ein Traum.
Hat auch nach dem dritten Mal nichts eingebüßt. Wird allerdings immer verständlicher, was nichts schlechtes ist. Wenig Plot, viel Raum für Schauspieler. Und da ich die allesamt mag - Schwartzman, Law, Watts, Wahlberg, Hoffman, Tomlin, Huppert - sind die Huckabees immer wieder eine Freude. Sehr spezieller Humor, aber wenns einem taugt, zum schreien komisch.
Hätte nicht gedacht, den “Liquor Store Clerk” aus der legendären From Dusk Till Dawn Anfangsszene mal in einer Hauptrolle zu sehen. Das war so ein “Woher kennt man den denn jetzt?!” den ganzen Film über. Daher also. John Hawkes, also der Ex-Clerk, spielt einen frisch von seiner Frau geschiedenen Vater von zwei Kindern, der so Al Bundy mäßig Schuhe verkauft und da die “Elder Cab”-Fahrerin Christine kennen lernt. Nennenswerten Plot gibt es nicht, Miranda July (Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin) liefert eine Bestandsaufnahme verschiedenster Etappen und Ausprägungen zwischenmenschlicher Beziehungen. Seltsame, verkopfte Menschen, erfolglose Künstler, Kinder, Jugendliche; viel Schräges, manchmal auch um der bloßen Schrägheit willen, viel Unkonventionelles und deshalb durchaus Provokantes. Miranda July geht also voll in ihrer Indieness abseits des Mainstreams auf. Schade ist da nur, dass am Ende doch eins zum andern führt und sich der Kreis der von ihr präsentierten Situationen ein bißchen zu perfekt wieder schließt. Nennen wir es das L.A. Crash-Syndrom.
Aber insgesamt eine runde Sache, der kurzweilige Alles-kann-passieren-90minüter für Zwischendurch. Kein Meisterwerk des Indie-Genres, aber ohne Zweifel sehenswert.